Wanderung durch die Mascaschlucht zum Meer

Für Wanderfreunde gilt vor allem der Norden Teneriffas als ein Eldorado, das man am besten mit soliden Bergschuhen zu Fuß erleben und genießen kann. Als besonderes Highlight rangiert hier der „barranco de Masca“, die Mascaschlucht, die jeder Teneriffatourist, der einigermaßen gut zu Fuß ist, durchschritten haben sollte.

Mascaschlucht auf Teneriffa

Die wildromantische Mascaschlucht ist ein Muss für jeden Wanderfreund auf Teneriffa

Wir starten in Puerto de la Cruz

Die Mascaschlucht liegt im malerischen, tiefzerklüfteten und daher schwer zugänglichen Teno-Gebirge. Bevor in den fünfziger- und sechziger Jahren durch den aufkommenden Flugtourismus aus Europa die Verkehrsstruktur verbessert wurde, waren viele dieser Bergdörfer im Tenogebirge nur durch Maultierpfade mit der nächsten Umgebung verbunden. Heutzutage hat sich die Verkehrssituation durch die Ringautobahn und die ausgebauten, asphaltierten Nebenstrecken völlig gewandelt. Wir müssen also kein störrisches Maultier besteigen, um ins malerische Bergdorf Masca zu gelangen, sondern es genügt den Fahrersitz im gemieteten Leihwagen einzunehmen. Von unserem Ausflugsschwerpunkt „Puerto de la Cruz“, von dem man in weniger als zwei Stunden Fahrzeit sowohl den Naturpark der Vulkanlandschaft des „Teide“ als auch die Lorbeerwälder des Anaqugebirges erreichen kann, fahren wir heute Richtung Westen ins „Mecizo de Teno“.

ausblick-auf-dem-weg-nach-mascaZum tausendjährigen Drachenbaum in Icod de los Vinos

Gut gelaunt fahren wir an der Küstenstraße und durchqueren einige appetitliche Fischerorte wie „San Juan de la Rambla“, wo sich Touristen und Einheimische den örtlich gefangenen Fisch wohlschmeckend zubereitet, schmecken lassen. Ein halbes Stündchen später, das blaue Meer und den schwarzen Lavasandstrand immer zur Rechten, erreichen wir unseren ersten Zwischenstopp, „Icod de los Vinos“. Eigentlich müsste man hier in ein eines der gepflegten Wirtshäuser mit ihren ausladenden Holzbalkonen im Obergeschoß und den einladenden Tischen im Freien gehen und dort ein Gläschen Wein zu sich nehmen, um dem Ort, der für seine Weine nicht nur im Namen berühmt ist, die Ehre zu erweisen.

Weil es aber noch früh am Tag und weil noch eine Schlucht zu durchwandern ist, wird mein „vino“-Vorschlag von der besseren Hälfte entschieden zurückgewiesen. Statt einer Erquickung für Gaumen und Magen, gilt es, ein botanisches Naturwunder ausfindig zu machen, den „Drago Milenario“, den „Tausendjährigen Drachenbaum“. Auf einer Fensterbank sitzt ein alter Mann eine Baskenmütze auf dem Kopf, einen Gehstock in der Hand und blinzelt etwas müde in die Sonne. Bereitwillig und stolz auf das Naturwunder seiner Heimatstadt erklärt er mir, dass ich vom Kirchplatz einen vorzüglichen und kostenlosen Blick auf den uralten Drachenbaum haben könnte. Auf meine Frage, ob der Baum wirklich 1000 Jahre alt sei, behauptet er wichtigtuerisch, dass er bestimmt doppelt so alt sei und schon zu Christi Geburt seine Wurzeln ausgestreckt habe. In der einschlägigen Reiseliteratur lese ich allerdings später, der Baum mit seinen stacheligen, büscheligen Blättern ist 16 Meter hoch, hat einen Umfang von 6 m und ist ca. 400 Jahre alt und ist damit der älteste Baum der Kanarischen Inseln. Damit ist er sogar jünger als die Stadt selbst, denn der malerische Ort wurde bereits 1501 gegründet.

Der ganze Ort mit den ursprünglichen alten Herrenhäusern, von denen die „Casa de los Caceres“ besonders herausragt, vermittelt den Eindruck eines altertümlichen Ambientes, der sich mit dem Kunsthandwerk der Neuzeit, das in den Souvenirläden dominiert, meist harmonisch verbindet.

Masca, ein idyllisches Bergdorf inmitten ursprünglicher Natur

Die Masca Schlucht auf Teneriffe

Nach einem kurzen Spaziergang an der „Iglesia de San Marcos“ (erbaut im 15./16. Jahrhundert) mit ihrem imposanten Renaissanceportal vorbei zur „Plaza de Pila“, die mit Palmen und Platanen bestückt ist, steigen wir hinunter zur Parkgarage. Jetzt geht es aber zügig auf der kurvenreichen Straße weiter zum Tenogebirge. Die Kurven werden immer enger und die Steigung nimmt zu, bis wir schließlich eine Aussichtsplattform in einer Höhe von etwa 800 m erreicht haben und unter uns nun das Bergdorf „Masca“ erblicken. Kleine weißgekalkte Häuser ducken sich an steile  Bergflanken. Wo die Natur dem Menschen zwischen Felsen und steilen Wänden noch Platz gelassen hat, haben fleißige Hände Terrassen angelegt auf denen Gemüse und Kartoffeln gedeihen. Masca besitzt keinen geschlossenen Ortskern, sondern rings um die Berge verstreute Siedlungen. Gerade diese Symbiose zwischen der überall grün wuchernden Vegetation, denn genügend Wasser ist in dem niederschlagsreichen Tenogebirge vorhanden und dem zivilisatorischen Gestaltungswillen des Menschen mit Gärten, Terrassen und Häusern, macht den Reiz dieses idyllisch gelegenen Bergdorf Masca aus.

Steiler Einstieg in die Mascaschlucht

Nachdem das Auto geparkt und die Wanderstiefel geschnürt sind, geht es hinunter in die Schlucht. Der Abstieg vom Ort ins Torrenteflussbett Masca ist zuerst recht steil und schlüpfrig.

Wanderweg auf Teneriffe

Vorsicht Rutschgefahr – Der schmale Wanderweg durch das Flussbett ist steil und glitschig.

Unten am Flussbett stellen sich noch zwei gewaltige Felsbrocken in den Weg, die man recht vorsichtig überwinden muss. Schließlich kommen wir zu einer etwas wackligen Holzbrücke mit der wir wieder auf die andere Seite des Bergbaches gelangen. Aber jetzt wird der Pfad deutlich begehbarer und wir können uns der Schönheit der Landschaft widmen. Rechts und links ragen einige 100 m hohe Felswände empor. Wo der nackte Fels Raum lässt, wachsen stachelige, hartlaubige Macchiesträucher sowie Fächer- und Stechpalmen.

Felsschlucht Masca

Schroffe Felsen und eine auf Teneriffa einzigartige Vegetation: in der Mascaschlucht ist beides zu bestaunen.

Die Besonderheit der Flora in der Mascaschlucht besteht in ihrer endemischen Vegetation. Dies bewirkt eine besondere Evolution: wegen ihrer Abgeschiedenheit und Unzugänglichkeit wachsen hier Pflanzen, wie der violette Masca-Strandflieder und der silbergrau beblätterte Masca-Hornklee, die es sonst nirgends gibt. Dass sich hier diese endemische Pflanzenvielfalt entwickeln konnte, hängt auch damit zusammen, dass die Masca-Steilwände selbst für die gefräßigen Ziegen unzugänglich waren. Nach einem etwa zweieinhalbstündigen Fußmarsch, einmal links und einmal rechts vom Bach über Stock und Stein, aber die Wände immer neben und die Sonne über uns, wird das Tal plötzlich breiter, dafür gibt es jetzt mehr Geröll.

Biotop MascaschluchtGute 2,5 h Fußmarsch zum Meer an die „Playa de Masca“

Nach ein paar Minuten Fußmarsch, da hört man es auf einmal Rauschen und dann sieht man es: das Meer. Wir haben es geschafft, die „Playa de Masca“ ist erreicht.

Eigentlich müssten wir jetzt wieder umkehren, den gleichen Weg zurück, aufwärts, ungefähr 3 ½ stunden Fußmarsch. Aber am Bootssteg ankert ein Boot, voll von fröhlichem spanischen jungen Ausflugsvolk. Der Kapitän nimmt uns mit. Entlang der Felsküste, gefolgt von salutierenden Delphinen erklingen fröhliche spanische Volkslieder bis hinein in den Hafen von „Los Gigantes“. Hier besteigen wir ein Taxi und zurück in Masca geht ein erlebnisreicher Tagesausflug langsam zu Ende.

Playa de Masca auf Teneriffe

Nach gut zweieinhalb Stunden Fußmarsch endet die Wanderung am Meer an der „Playa de Masca“

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